55. Trophäenschau in Seelensdorf: Tradition trifft Rehkitzrettung

Seit 1967 wird die traditionelle Trophäenschau in Seelensdorf veranstaltet. Ausgerichtet wird sie von der Hegegemeinschaft Westhavelland gemeinsam mit den Kreisjagdverbänden Rathenow und Nauen. Dort stellen Jägerinnen und Jäger Geweihe von im zurückliegenden Jagdjahr erlegten sowie gefundene Abwurfstangen von Rot- und Damhirschen vor. 2025 setzte die 55. Trophäenschau neben Schießkino, Hüpfburg, Axtwerfen, Bogenschießen sowie Kuchen, Fisch- und Wildspezialitäten auch einen neuen Akzent: Erstmals war ein Stand zur Rehkitzrettung dabei – ein Thema, das für viele Besucherinnen und Besucher, aber auch für manche Jägerinnen und Jäger noch neu ist, zumal es bei einer Trophäenschau eigentlich um Trophäen geht.
Erstmals dabei: Rehkitzrettung vorgestellt
Am Informationsstand zur Rehkitzrettung sprachen Tanja Pankotsch und Petra Schrimpf vom Jagdverband Nauen mit Interessierten über Technik, Ablauf und Mitwirkungsmöglichkeiten. „Stephan Lehmann, der zweite Vorsitzende im Jagdverband Rathenow, hat mich angesprochen und eingeladen. Ihm war es sehr wichtig, dass das Thema Rehkitzrettung in der Jägerschaft verbreitet wird. Dementsprechend hat er mich gefragt, ob wir uns vom Jagdverband Nauen nicht präsentieren wollen, weil wir uns da ein bisschen mit reingehangen haben. Wir würden auch anderen Jagdverbänden gern unter die Arme greifen, wenn das gewollt ist“, sagte Pankotsch im Gespräch mit Havelsee.de.

Großes Interesse – viele Fragen aus Jagd und Landwirtschaft
Die Resonanz beschreibt sie als ausgesprochen positiv: „Wir hatten eine ganz tolle Resonanz – von Nicht-Jägern, von sehr vielen Jägern und auch von Landwirten. Viele haben sich informiert, wie das Prozedere ist, wenn sie uns anfordern: Was es kostet, ob es überhaupt etwas kostet, was wir alles mitbringen, womit wir fliegen und mit wie vielen Leuten man eventuell vor Ort sein müsste.“
Einsätze und Nachfrage in der Region
Auch in Havelsee war ein Einsatz vorgesehen, wie Pankotsch erklärt: „Wir sollten eigentlich auch in Havelsee schon einmal fliegen. Aber während der Rehkitzrettungszeit von Mai bis Juli ist die Nachfrage sehr hoch. Mit nur einem Drohnenpiloten ist das schwierig. Wir waren komplett ausgebucht, und manchmal spielte auch das Wetter nicht mit. Es muss eben alles zusammenpassen.“
Die Zahlen für dieses Jahr sind beachtlich: „Wir haben in diesem Jahr ungefähr 140 Rehkitze gerettet und, wenn ich mich nicht irre, 63 Einsätze gehabt. Von Mai bis Juli waren wir wirklich sehr, sehr viel unterwegs.“
Wie eine Rehkitzrettung abläuft
Auf die Frage nach einem typischen Einsatztag schildert Pankotsch den Ablauf detailliert: „Der Landwirt kontaktiert mich – am besten zwei Tage vorher, manchmal auch sehr kurzfristig am Vortag. Ich bekomme die Felder per Google Maps, dann kann ich die Drohne am Abend vorbereiten und programmieren. Für jeden Einsatz richten wir eine WhatsApp-Gruppe ein, da kommen alle Helfer, die Jäger und der Landwirt hinein. Dann treffen wir uns morgens um drei Uhr – je nachdem, wie viele Hektar wir abfliegen müssen.“
„Wir teilen uns in drei Teams à zwei Leute auf. Wir haben Kisten, Kescher und Handschuhe dabei, weil wir die Kitze nicht mit bloßen Händen anfassen wollen. Wenn ich auf meinem Monitor eine Wärmequelle sehe, schicke ich ein Team dorthin. Die laufen blind ins Feld, und kurz vorher sage ich: ‚Stopp‘. Wenn die Wärmequelle genau unter der Hand ist, liegt dort meistens ein Kitz.“
Entscheidend sei das enge Zeitfenster bis zur Mahd: „Wenn wir das Feld abgesucht haben, kontaktieren wir den Landwirt. Es ist wichtig, dass er zeitnah mäht. Die Kitze dürfen höchstens vier bis sechs Stunden in den Boxen bleiben, sie müssen zu ihren Ricken zurück. Nach der Mahd stellen wir sie am Feldrand in die Deckung. Mit einer Kitz-Fiepe rufen wir die Ricke – manchmal kommt sie sofort, manchmal dauert es etwas länger. Aber die Kitze werden fast immer von ihren Ricken abgeholt.“
Persönlicher Einstieg und Emotionen im Einsatz
Wie sie selbst zur Rehkitzrettung kam, erzählt Pankotsch so: „Ich habe das Ganze für den Jagdverband Nauen ins Leben gerufen. Der Verband hatte eine Drohne angeschafft und suchte händeringend einen Piloten. Da ich Drohne fliegen konnte, bin ich angesprochen worden. So habe ich die Gruppe gegründet. Wir fliegen jetzt die dritte Saison, seit 2023. Wir wachsen stetig und sind ein Bindeglied zwischen Landwirten, Jägern und Helfern. Es müssen alle Bescheid wissen: der Landwirt, der Jäger. Wenn wir in einem fremden Revier fliegen, ist das Ausübung aktiver Jagd – das muss man klar sagen.“
Die Einsätze hinterlassen bleibende Eindrücke: „Es ist wirklich sehr spannend. Gerade Neulinge, die zum ersten Mal dabei sind, sind fasziniert. Und wenn man einmal ein Kitz in der Hand hat, ist man sowieso infiziert. Wir hatten schon hartgesottene Jäger dabei, die im Nachhinein geweint haben. Viele sind überrascht, wie winzig die Tiere am Anfang sind – oft wiegen sie gerade einmal ein Kilo, anderthalb Kilo.“
Tradition und ein neues Thema
Die Trophäenschau in Seelensdorf hat seit 1967 ihren festen Platz im Kalender der Jägerschaft und der Region. Präsentiert werden Geweihe und Abwurfstangen von Rot- und Damwild aus dem vergangenen Jagdjahr; Rahmenangebote wie Schießkino, Familienaktionen und regionale Küche gehören dazu. Dass nun das Thema Rehkitzrettung – für viele noch neu – im Umfeld einer Trophäenschau vorgestellt wurde, stieß auf großes Interesse bei Jägerinnen, Jägern, Landwirten und Nicht-Jägern gleichermaßen.
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