Politik kurz & knapp – Bauausschuss Havelsee tagte (04.09.2025)

Am Donnerstag, 4. September, kam der Ausschuss für Bauen, Verkehr und Liegenschaften der Stadt Havelsee im Haus der Begegnung in Pritzerbe zusammen.
Zu Beginn machte Amtsdirektor Guido Müller deutlich, dass beim Thema Kirchstraße in Pritzerbe noch kein Beschluss gefasst werden solle. Ein mögliches Einbahnstraßenkonzept müsse im Zusammenhang mit einem umfassenderen Verkehrskonzept gesehen werden – auch im Hinblick auf die geplante Ansiedlung eines Netto-Supermarktes in der Dammstraße. „Möglicherweise müssen wir die Frage Lieferverkehr zum Supermarkt dabei mit berücksichtigen, da könnte eine Vorfestlegung, was die Kirchstraße betrifft, kontraproduktiv sein“, sagte Müller. Er schlug vor, die Entscheidung auf eine der kommenden Sitzungen zu vertagen.
In der Einwohnerfragestunde meldete sich Wolfgang Meißner aus der Havelstraße in Pritzerbe zu Wort. Er kritisierte, dass Autofahrer vor dem Hort regelmäßig das vorgeschriebene Tempo 30 missachteten. Schon am Morgen, wenn Kinder gebracht werden, würden viele Fahrzeuge deutlich zu schnell fahren. Bürgermeister Günter Noack verwies auf die Zuständigkeit der Polizei: „Wir können das nicht überprüfen, das kann doch nur die Polizei machen.“ Gleichzeitig sicherte er zu, mögliche bauliche Maßnahmen prüfen zu lassen. Diskutiert wurde unter anderem über Geschwindigkeitshügel, die den Verkehr abbremsen könnten, allerdings auch zusätzliche Lärmprobleme für Anwohner verursachen würden.
Ein weiteres Thema war die Zukunft des ehemaligen Ferienlagers in Briest. Die Eigentümerin möchte die Fläche zu einem Bootscharter-Standort entwickeln – ausdrücklich keine Marina. Müller erläuterte: „Mit dem Vorhaben kann da eigentlich nur eine Verbesserung des Ist-Zustandes eintreten.“ Stefan Lennecke, sachkundiger Einwohner, benannt durch die Bürgerinitiative Havelsee, wies hingegen darauf hin, dass der Entwurf des neuen Regionalplans das Gebiet nicht mehr als Ortslage ausweise, sondern dem Freiraumverbund zuordne. Außerdem stellte er Fragen zu den vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen für Baumfällungen: „Eine Sache, die mich ein bisschen verwundert hat: Warum soll das im Havelland passieren und nicht bei uns vor Ort?“ Hintergrund ist, dass die Eigentümerin dort über Flächen verfügt und Ersatzpflanzungen vorgesehen sind. Am Ende sprach sich der Ausschuss mehrheitlich dafür aus, das Verfahren weiterzuführen.
Besonders intensiv diskutiert wurde über den geplanten Ankauf einer Fläche in Fohrde. Das 378 Quadratmeter große Grundstück liegt direkt neben dem Dorfgemeinschaftshaus. Die veranschlagten Gesamtkosten von rund 102.000 Euro umfassen den Kaufpreis, die Beräumung und weitere Nebenkosten. „Es geht hier um eine Menge Geld. Es geht um insgesamt eigentlich 102.000 Euro, die wir da abgeben müssen – für sechs Stellplätze“, machte Ausschussvorsitzender Uwe Homm (AfD) die Dimension deutlich. Amtsdirektor Müller verwies auf die praktische Notwendigkeit: „Es geht nicht nur um Stellplätze fürs Dorfgemeinschaftshaus, sondern auch um das Kita-Personal, das sichere Abstellmöglichkeiten braucht.“ Tino Vogeler aus Fohrde betonte die Bedeutung des Grundstücks mit Blick auf kommende Entwicklungen: „Besonders im Zusammenhang mit dem, was mit der B 102 noch passieren kann, sollte man so ein Grundstück vielleicht sichern. Über die Ausgestaltung kann man später immer noch sprechen.“ Zudem wurde aus der Verwaltung auf die besondere Lage hingewiesen: „Man sollte bedenken, dass das sehr abschüssig ist, also eine Hanglage. Deswegen die erhöhten Kosten.“ Nach längerer Debatte sprach sich der Ausschuss mehrheitlich für den Ankauf aus.
Auch weitere Grundstücksfragen standen auf der Tagesordnung. In Kützkow soll ein städtisches Grundstück im Erbbaurecht für 99 Jahre vergeben werden, der angebotene Erbbauzins liegt bei 3.600 Euro pro Jahr. In Marzahne wurde ein Grundstück verkauft, um bestehende Grenzprobleme zu beheben. In Briest soll ein städtisches Grundstück, das ursprünglich verkauft werden sollte, nun ebenfalls über Erbbaurecht vergeben werden. Außerdem wurde ein kleines Grundstück für 2.850 Euro veräußert.
Weichen stellte der Ausschuss auch für das geplante Wohngebiet „Mühlenbreite“ in Kützkow. Vorgesehen sind 16 Baugrundstücke zwischen 560 und 1.200 Quadratmetern, voll erschlossen für 115 Euro pro Quadratmeter. „Die Grundstücke sollen ausschließlich für Erstwohnsitze vergeben werden, mit klarer Bauverpflichtung“, betonte Homm. Die Vermessungskosten von rund 46.500 Euro trägt zunächst die Stadt.
Müller informierte außerdem, dass die Beschlüsse zum Solarpark Fohrde 1 wegen eines Bekanntmachungsfehlers erneut gefasst werden müssen. Probleme gibt es auch mit der Deutschen Bahn, die sich weigert, den Bahnübergang Plauer Weg für Baustellenverkehr freizugeben. Müller zeigte wenig Verständnis: „Der Übergang wird auch sonst von Landmaschinen und Holztransporten befahren.“ Der Vorhabenträger EnBW will die Klärung übernehmen.
Die Stadt Havelsee hat zudem Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der B 102 erhoben. „Am 29. August ist die Klage beim Oberverwaltungsgericht eingegangen. Unser Anwalt hat Akteneinsicht beantragt, die Begründung folgt innerhalb von zehn Wochen“, sagte Müller. Auch Privatpersonen und Unternehmen haben Klagen eingereicht. Tino Vogeler kündigte zudem eine eigene Klage an, auch mit Blick auf seinen landwirtschaftlichen Betrieb. Er bat außerdem um Zusammenarbeit mit dem Anwalt des Amtes und um Unterstützung durch Unfallstatistiken.
Zum Ende der Sitzung meldete sich Bürger Jan van Lessen zu Wort. Er kritisierte die schlechte Akustik im Saal: „Ich habe eher den Eindruck, dass es eine geheime Sitzung ist. Von hinten versteht man fast nichts.“ Er bemängelte zudem, dass viele Mitglieder zu leise und undeutlich sprächen – und häufig miteinander statt in Richtung der Gäste. Auch die Beschlussvorlagen würden nicht ausreichend erläutert. „Der Wunsch wäre einfach, beim nächsten Mal etwas lauter zu sprechen“, ergänzte Stefan Lennecke. Ausschussvorsitzender Homm versprach Besserung: „Wir werden das künftig ändern und die Beschlüsse ausführlicher vorstellen.“