Politik kurz & knapp – Sozialausschuss Havelsee tagte (22.09.2025)

Der Sozialausschuss der Stadt Havelsee kam am Montag, 22. September, in der Begegnungsstätte Marzahne zusammen.
Jugendliche stärker einbeziehen
Breiten Raum nahm die Diskussion über die politische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ein. Yvonne Sperling (WG Marzahne und Ortsvorsteherin) brachte das Thema ein: „Es ist sogar gesetzlich vorgeschrieben, Kinder mehr einzubeziehen. Aber wie können wir das konkret umsetzen?“
Bürgermeister Günter Noack zeigte sich skeptisch: „Die Nachfrage gibt es nicht mehr. Früher kamen die Jugendlichen als Gruppe und wollten Räume haben. Heute kommt keiner.“ Ausschussvorsitzende Diana Pscherwankowski (BI Havelsee) betonte dagegen: „Es braucht jemanden, der den Hut aufhat und eine Jugendgruppe leitet. Die Jugendlichen schaffen das selten allein.“
Ein positives Beispiel brachte Hortleiterin Frau Klein (Pritzerbe) ein: Dort sei ein Kinderparlament eingerichtet worden. „Es war heiß begehrt, gewählt zu werden. Die Kinder lernen, ihre Meinung zu bilden und abzustimmen.“ Im Anschluss wurde angeregt zu prüfen, ob finanzielle Mittel für eine zusätzliche Stelle zur Koordination und Begleitung von Kinder- und Jugendbeteiligung bereitgestellt werden könnten.
Kitas und Hort berichten von entspannter Lage
Aus den Kindertagesstätten und dem Hort kamen überwiegend gute Nachrichten. Kita „Sonnenblume“ Pritzerbe betreut derzeit 32 Kinder, ab kommender Woche 34. „Die familiäre Atmosphäre und die entspannte Zusammenarbeit im Team sind gerade besonders positiv“, berichtete Leiterin Frau Tritschler.
Auch in Fohrde hat sich die Lage beruhigt. „Wir sind wieder gut arbeitsfähig“, so Annika Marquardt. 55 Kinder besuchen die Einrichtung, die Krippe ist nun stabil mit festen Bezugserziehern besetzt.
Der Hort Pritzerbe meldete mit 124 Kindern ebenfalls eine stabile Situation. Neu sei, dass die Schulanfänger schon eine Woche vor dem offiziellen Schulstart aufgenommen wurden. „Das war für Eltern und Team sehr praktisch, weil vieles vorab geklärt werden konnte“, erklärte Frau Klein.
Kulturerben Pritzerbe: Viel Engagement, große Belastung
Einen Einblick in die Arbeit des Vereins Pritzerber Kulturerben e. V. gab Vorsitzender Jürgen Pieper. Zu den festen Veranstaltungen gehören das Neujahrsfeuer, die Flambierte Havel, das Drachenfest (dieses Jahr am 12. Oktober) und seit 3 Jahren der „Rock am Schilf“. Zudem ist der Verein auch Träger des Heimatmuseums an der Ablage – wobei Pieper betonte, dass dies vor allem das Projekt von Klaus Meyer sei und der Verein es eher „im Hintergrund“ unterstützt.
Pieper machte aber auch auf die Belastungen aufmerksam: „Für die Flambierte Havel stecken allein beim Aufbau rund 450 bis 500 Arbeitsstunden drin. Und die Bürokratie wird immer aufwendiger.“ Kosten wie 110 Euro allein für eine Havel-Sperrung oder hohe GEMA-Gebühren stellten zusätzliche Hürden dar. Zur Zukunft der beliebten Veranstaltung kündigte er Beratungen im Verein an.
Aus dem Ausschuss kam zudem der Hinweis, die Parksituation bei solchen Veranstaltungen zu verbessern. In der Dammstraße sei es bei der Flambierten Havel so eng gewesen, dass kein Rettungswagen hätte durchkommen können.
Feuerwehrfest in Tieckow: Schwache Beteiligung
Zur Sprache kam auch das jüngste Fest anlässlich 100 Jahre Feuerwehr Tieckow. Gelobt wurde zwar die gute Organisation vor Ort, zugleich aber die geringe Resonanz: Nur wenige Bürgerinnen und Bürger aus Havelsee seien gekommen, auch etliche Ortsfeuerwehren hätten gefehlt. Bürgermeister Noack nannte dies „ein großes Manko“, da gerade Jubiläen wie dieses Zusammenhalt erforderten. Auch Wolfgang Vogeler (BI Havelsee) zeigte sich enttäuscht: „Bei 17 Feuerwehren im Amt hätten deutlich mehr teilnehmen müssen.“
Gesellschaftliches Leben in den Ortsteilen
Yvonne Sperling hob, nachdem sozialen Leben in ihrem Ortsteil gefragt, für Marzahne die Bedeutung der Feuerwehr und des Fördervereins hervor: „Das soziale Leben funktioniert bei uns gut – auch wenn es nach außen vielleicht nicht so sichtbar ist.“