Rettung in letzter Minute: Vier verwaiste Storchenküken in Fohrde evakuiert

In Fohrde ist die Storchen-Saison wieder vorbei. Das Nest liegt nach den dramatischen Ereignissen des Wochenendes verlassen da. Wo noch am Freitag neues Leben schlüpfte, herrscht nun unerwartete Stille. Mit der Rettung der vier Küken hat das diesjährige Brutgeschehen ein abruptes Ende gefunden.
Die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Aufzucht hoch oben auf dem Horst haben sich zerschlagen. Nachdem die Störchin Jezebel am Freitag um 10:40 Uhr das Nest verlassen hatte und nicht mehr zu ihrem Nachwuchs geflogen war, harrte Otto mehr als 24 Stunden tapfer bei den Küken aus. Bis 13:43 Uhr am Samstag hielt er die Stellung, gab das Nest dann aber schließlich entkräftet auf.
Doch im Hintergrund liefen die rettenden Vorbereitungen längst auf Hochtouren. „Wir hatten bereits im Vorfeld Rücksprache mit Christian Kurjo von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark sowie mit dem Storchenhof Loburg gehalten“, erklärt Lars Gerdel vom Storchennest. Zudem mussten in der Zwischenzeit rasch eine Hebebühne und ehrenamtliche Helfer organisiert werden. „Als Otto abflog, wussten wir, dass wir sofort handeln müssen. Die Evakuierung der erst wenige Tage alten Jungtiere war alternativlos, um ihr Überleben zu sichern.“ Um 14:11 Uhr erfolgte schließlich die Rettung der vier Küken vom Horst. Nur fünf Minuten später, um 14:16 Uhr, kehrte Otto noch einmal kurz zurück und verschwand beim Anblick des leeren Nestes direkt wieder.
Das Verhalten der Altstörche gibt derweil Rätsel auf: Nachdem sich Jezebel am gestrigen Nachmittag noch seelenruhig auf der Kuhwiese aufgehalten und gut gefressen hatte – und sie absolut nichts dazu bewegte, zurück zu den Küken zu fliegen –, standen beide am Abend um 21:19 Uhr plötzlich wieder gemeinsam im Nest. Am heutigen Morgen gegen 5:40 Uhr flogen sie dann zusammen wieder in Richtung Wiese ab.
Für die Fohrder Bürger und die vielen Beobachter, die das Geschehen aufmerksam verfolgt haben, ist der Anblick des leeren Nestes natürlich ein trauriger Moment. Man hatte so sehr mitgefiebert, als am Freitagmorgen noch das vierte und jüngste Küken aus dem Ei pellte. Doch anstelle von Enttäuschung überwiegt die große Erleichterung, denn den Küken geht es gut! „Natürlich blutet einem das Herz, wenn man hoch auf den leeren Horst schaut“, so Lars Gerdel. „Aber wenn wir sehen, wie munter die vier in Loburg sind, fällt uns allen ein riesiger Stein vom Herzen.“
Es gibt bereits gute Nachrichten aus Loburg: Die vier Kleinen – Willi, Auguste, August und Anton – sind wohlauf und haben alle bereits gefressen. Sie werden dort nun von Hand aufgezogen.
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Fotos+Video: Storchennest Fohrde