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Lothar Kreyssig – Gedenkstein in Hohenferchesar

Foto: Lothar Kreyssig © Aktion Sühnezeichen / Friedensdienst epd )

Lothar Kreyssig war eine bedeutende Persönlichkeit, geboren am 30. Oktober 1898 in Flöha, Sachsen. Er wurde als Sohn eines Kaufmanns und Getreidegroßhändlers geboren und absolvierte nach der Grundschule ein Gymnasium in Chemnitz. Im Jahr 1916 trat er als Freiwilliger in die deutsche Armee ein und kämpfte in den letzten Kriegsjahren in verschiedenen Ländern Europas.

Nach dem Krieg studierte Kreyssig Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig und schloss sein Studium 1923 mit einer Promotion ab. Anschließend arbeitete er als Richter am Landgericht Chemnitz und später Vormundschaftsgericht in Brandenburg an der Havel. Parallel dazu betrieb er auf seinem Gutshof in Hohenferchesar biologisch-dynamische Landwirtschaft.

Während der Zeit des Nationalsozialismus engagierte sich Kreyssig zunächst systemkonform und trat der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt bei. Allerdings weigerte er sich aufgrund seiner richterlichen Unabhängigkeit, der NSDAP beizutreten. Er trat der Bekennenden Kirche bei und wurde Präses der Synode der Bekennenden Kirche im Gebiet der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Kreyssig war der einzige deutsche Richter, der die Euthanasiemorde der Nationalsozialisten öffentlich anprangerte. Er wandte sich gegen die Entrechtung der Häftlinge in Konzentrationslagern und meldete seinen Verdacht über die Massentötung von behinderten Menschen dem Reichsjustizminister.

Aufgrund seines Widerstands gegen das NS-Regime wurde Kreyssig 1940 zwangsbeurlaubt und zwei Jahre später in den Ruhestand versetzt. Nach dem Ende des Nationalsozialismus war er als führende Persönlichkeit in der evangelischen Kirche tätig. Er gründete die Evangelische Akademie der Kirchenprovinz Sachsen und setzte sich für gesamtdeutsche kirchliche Einrichtungen und Ideen ein.

Das bedeutendste Werk von Lothar Kreyssig war die Aktion Sühnezeichen. 1958 rief er zur Gründung dieser Initiative auf, bei der junge Deutsche in ehemalige Feindländer und nach Israel gingen, um um Vergebung und Frieden zu bitten. Durch praktische Arbeit sollten sie ein Zeichen der Versöhnung setzen. Kreyssig widmete sich auch der ökologischen Landwirtschaft und der Unterstützung bedürftiger Menschen. Er gründete die Aktionsgemeinschaft für die Hungernden, die Vorläuferorganisation von Brot für die Welt.

Lothar Kreyssig wurde für seinen mutigen Einsatz posthum geehrt. Es wurden Straßen und Einrichtungen nach ihm benannt, und es wurden Gedenktafeln und -steine zu seinem Andenken aufgestellt. Er erhielt auch den Titel „Gerechter unter den Völkern“ von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Lothar Kreyssig hinterließ ein erstaunliches Erbe des Widerstands gegen Unrecht und der Suche nach Versöhnung und Frieden. Sein Einsatz für Gerechtigkeit und Menschlichkeit bleibt unvergessen. Am 5. Juli 2008 wurde in Hohenferchesar, an der Zuwegung zum Bruderhof, seinem Wohnort von 1937 bis 1972, ein Gedenkstein enthüllt.

Adresse

Bruderhof,
14798 Havelsee (Hohenferchesar)

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